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Regens Konrad Willeit, Stiftungspräsident Dr. Gerhard Brandstätter und Mitglieder des Verwaltungsrates mit einem Beleg des Herbars


Mag. Sabine Schuster beim Restaurieren der Herbarbögen


Restaurierter Herbarbogen


Stiftung Südtiroler Sparkasse

Herbar Rupert Huter

Im Besitz des Vinzentinums befindet sich eine der bedeutendsten alten Pflanzensammlungen (Herbare) über die Flora der Ost- und Südalpen. Sie umfasst ca. 120.000 Pflanzenbelege und stammt vom berühmten Tiroler Priester und Botaniker Rupert Huter (1834-1919).

Rupert Huter hat zeit seines Lebens nicht nur an den verschiedensten Orten in Tirol Pflanzenmaterial gesammelt, sondern zusammen mit den befreundeten Botanikern Pietro Porta (1832-1923) und Giorgio Rigo auch mehrere Forschungsreisen unternommen, unter anderem nach Carnia/Friaul (1873), Unteritalien (1874, 1875, 1877), Spanien (1879) sowie auf die Balearen (1885). Zudem erhielt er durch seine Kontakte mit vielen europäischen Botanikern umfangreiches Pflanzenmaterial. Die gesammelten Pflanzen wurden von Huter bestimmt, gepresst, getrocknet, auf Herbarbögen aufgezogen und in einem Katalog festgehalten. Auf diese Weise entstand eine umfangreiche private Pflanzensammlung, die er auf Veranlassung von Fürstbischof Vinzenz Gasser dem Vinzentinum vermachte.

Wert und Bedeutung

Das Herbar Rupert Huter ist nach Aussagen anerkannter Fachleute für die wissenschaftliche Forschung äußerst bedeutsam. Es bildet eine der zentralen Grundlagen für die Erforschung der mitteleuropäischen Flora sowie für die Flora Tirols. Der wissenschaftliche Wert besteht vor allem in den vielen Typus-Belegen. Bei einem Typus-Beleg handelt es sich um jenes Pflanzenexemplar, aufgrund dessen ein Forscher die Festlegung einer neuen systematischen Einheit (Art, Unterart, Varietät etc.) vornimmt. Typus-Belege bilden die zentrale Grundlage für die Weiterentwicklung der systematischen Einordnung und Benennung von Pflanzen und haben einen unschätzbaren Wert für die botanische Forschung.

Von besonderer Bedeutung sind die im Herbar Rupert Huter enthaltenen Exemplare der Gattung Hieracium (Habichtskraut): Unter den 2850 Belegen fanden sich bei der Neubearbeitung durch Prof. Günter Gottschlich aus Tübingen 228 Typus-Exemplare. Das Ergebnis dieser Arbeit wurde im Frühjahr 2007 als Sonderband der „Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum“ publiziert.

Die Pflanzensammlung Rupert Huters war nicht nur eine der wichtigsten Grundlagen für das letzthin erschienene fünfbändige Grundlagenwerk „Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg“ von Adolf Polatschek, sondern wird zunehmend stärker auch von anderen Forschungseinrichtungen genutzt, die Herbarbelege entlehnen: UPOS Herbarium Sevilla/Spanien, Universität Tübingen, Naturhistorisches Museum Wien, Universität Würzburg, Naturmuseum Bozen.

Restaurierung

Projektphase 1 (1996-2006)

Im Zuge der Generalsanierung des Vinzentinums zeigte sich, dass die Herbarbögen restauriert und digital erfasst werden müssen, um sie der Nachwelt zu erhalten und der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Da es damals keine dafür kompetente Einrichtung in Südtirol gab, entschloss man sich, die Naturwissenschaftliche Sammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum mit dieser Restaurierung zu beauftragen. So wurden sämtliche Herbarbögen im Herbst 1995 zur Restaurierung nach Innsbruck gebracht.

Die Restaurierung erfolgte dort in der ersten Projektphase durch freie Mitarbeiter/-innen unter der Koordination von Mag. Wolfgang Neuner, wobei die Kosten zu 80 Prozent durch Eigenmittel des Vinzentinums bestritten wurden. Den Rest steuerte das Amt für Kultur und die Stiftung Südtiroler Sparkasse bei.

Die Belege wurden auf neue Bögen gespannt, neu etikettiert, gegen eventuellen Schadinsektenbefall schockgefroren, in speziellen Kartonschachteln abgelegt, in der Datenbank „Bio-Office 2.0“ digital erfasst und sofern möglich und erforderlich zur Revision an Spezialisten weitergeleitet. Die restaurierten Herbarbelege wurden ins Vinzentinum zurückgebracht und dort in einem eigens eingerichteten Raum deponiert.

Projektphase 2 (2007-2009)

Ende 2006 entschloss das Tiroler Landesmuseen für die Restaurierung der Herbarbögen und das digitale Erfassen der Daten die Diplombiologin Mag. Sabine Schuster hauptamtlich anzustellen. Die Anstellung erfolgte unter der Voraussetzung, dass das Vinzentinum dem Museum sämtliche Personalkosten refundierte.

Weil sich der jährliche Mittelbedarf dadurch von 10.000 Euro auf 40.000 Euro vervierfachte und bereits die bisherigen Kosten eine große finanzielle Belastung für das Vinzentinum darstellten, war eine Finanzierung über Eigenmittel nicht mehr möglich. Durch Verhandlungen mit der Stiftung Südtiroler Sparkasse gelang es, für den Zeitraum 2007-2009 von dieser eine Finanzierung in Höhe von 75.000 Euro zu gewinnen.

Ab Februar 2008 wurde die Projektdurchführung durch einen wissenschaftlichen Beirat begleitet. Aufgrund fehlender Mittel musste das Projekt jedoch mit 31. Juli 2009 eingestellt werden.

Projektphase 3 (ab 2010-2011)

Angesichts der absehbaren Unfinanzierbarkeit aus Eigenmitteln nahm das Vinzentinum bereits im Dezember 2008 Gespräche mit der Südtiroler Landesregierung zwecks Übernahme der gesamten, noch anstehenden Projektkosten (ca. 1 Million Euro) auf. Im Juli 2009 erklärte sich die Landesregierung bereit, diese Kosten zu übernehmen, sofern das Vinzentinum im Gegenzug bereit ist, das Herbar dem Land Südtirol als kostenlose Leihgabe für 99 Jahre zur Verfügung zu stellen.

Am 17. Juni 2010 wurde der genehmigte Verwahrungsvertrag von der Landesrätin und dem gesetzlichen Vertreter des Vinzentinums unterschrieben. Ein Fachbeirat für die Restaurierung des Huter-Herbars wurde eingesetzt und mit 1. März 2010 wurden die Restaurierungsarbeiten im Ferdinandeum wieder aufgenommen.

Seit 1. Jänner 2011 erfolgt die Restaurierung und digitale Erfassung durch zwei Teams an zwei Standorten: einem in Ferdinandeum in Innsbruck und einem zweiten im Naturmuseum Südtirol in Bozen. Die Arbeiten werden von Dr. Thomas Wilhalm vom Naturmuseum Südtirol koordiniert.

Die restaurierten Herbarbögen werden vorerst weiter im Vinzentinum deponiert, weil das Naturmuseum erst nach der Errichtung eines neuen Depotgebäudes über die räumlichen Kapazitäten zur Lagerung der Herbarbögen verfügt.

 

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