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Lang, lang ist's her

Einmal mehr kehrte unlängst eine Schar Junggebliebener an ihre alte "Wirkungsstätte" zurück. Die Maturajahrgänge 1962 und 1972 trafen sich zu einem Wiedersehen im Vinzentinum.

Die 40-Jahr-Jubilare absolvierten mit Dir. Stragenegg eine Hausführung, hielten mit Kan. Geier eine Andacht und ließen den Tag beim Essen im Gasthof Pacher und einer Führung im Kloster Neustift ausklingen.

Bild oben von links: Konrad Willeit, Paul Oberarzbacher, Oswald Thalmann, Josef Eisendle, Norbert Überbacher, Johann Pichler, Direktor Christoph Stragenegg, Lorenz Rabensteiner, Karl Kerschbaumer und Richard Schanung

Auch die Herren, die das goldene Maturajubiläum feiern durften, unternahmen eine Runde durch das Haus. Danach wurde mit Regens Fabian Tirler Messe gefeiert und ebenfalls in Neustift auf die gute alte Zeit angestoßen.

Bild unten:
1. Reihe v.l. Stefan Amhof, Franz Rainer, Hermann Mair am Tinkhof, Otto Saurer, Karl Gruber, Richard Kaneider
2. Reihe v.l. Direktor Christoph Stragenegg, Konrad Mair, Siegfried Innerhofer, Otto Ellecosta, Regens Fabian Tirler


Neunzehnzweiundsiebzig, als wir zur Maturaprüfung in Bruneck antraten, feierte das Vinzentinum sein hundertjähriges Bestehen. Heuer, vierzig Jahre später, trafen wir uns (am 15. Sept. 2012) wieder einmal zu einem Erlebnis- und Erfahrungsaustausch. Im markanten Mittelhof der traditionsreichen Bildungseinrichtung hatte das Vinzentinum einen feinen Umtrunk für uns bereitgestellt. Zweifellos atmet dieses Gebäude für jeden, der Jahre seines Lebens hier verbracht hat, Erinnerungen ganz unterschiedlicher Art. Der Anblick der klaren, aber auch gestrengen  Geometrie der Architektur, die Luft (Atmosphäre) drum herum, der Gang durch die Pforte,  die vielen Fenster und Türen, alles evoziert Erinnerungen an Heimweh und Beklommenheit, an Ehrfurcht, Angst und Mühe, ebenso an Freundschaften, Heiterkeit und schalkhafte Unbekümmertheit, aber auch Gefühle von Bewunderung und Dankbarkeit mischen sich dazu. Und dann ist da immer die Fragen: wer ist noch da von den Menschen von damals, wie geht es ihnen, wer wird noch erwartet, warum konnten einige nicht kommen, mit denen man gerechnet hatte... Im Gespräch mit den Freunden, den Mitstreitern, den Kontrahenten, den Leidensgenossen von damals, gereift durch den Abstand der Jahre, enthüllen sich so manche Geschichtchen, Schichten der Erinnerung, manche bereits bekannte und oft geteilte, manche mit einer noch nie bewussten Akzentuierung und einiges, das bisher unter Verschluss gehalten worden ist, das erst durch den zeitlichen Abstand seine Bedrohlichkeit verloren hat und den Weg nach draußen findet. Vierzig Jahre haben zwar Spuren an den Kollegen Mitschülern hinterlassen, sie aber nicht von Grund auf verändert. Auch das Vinzentinum als Heim und Schule ist nicht in der Zeit stehen geblieben. Direktor Christoph Stragenegg erläutert in kurzen Erzählbögen die Neuerungen und die Herausforderungen, denen sich Heim und Schule in heutiger Zeit stellen müssen. Die aufmerksamen Zuhörer tragen dabei zwei Schienen im Kopf: das Damals und das Heute...

Dann gehen wir hinauf in den zweiten Stock, in die neu eingerichtete Freinademetz Kapelle, wo Kan. Anton Geier, der Regens von damals,  auf uns wartet. Jeder Stein, jede Stufe, jede Erzählung weckt Erinnerungen und verleitet zu Mitteilsamkeit - ist doch schön und wärmt die Herzen - aber wir kommen mit etwas Verspätung im zweiten Stock an. Der Andachtsraum ist für alle neu, klein, geradezu ungewohnt familiär.  Altregens Geier kennt sie noch alle, die Gesichter von damals und auch die meisten der Namen. Nur bei wenigen muss er sich vergewissern, wer sie sind und welchem Beruf sie nachgehen. Obwohl schon 93 Jahre alt, wirkt er erstaunlich fit. Mit bestimmter, kräftiger Stimme trägt er seine besinnlichen Gedanken vor. Vierzig Jahre, eine bedeutungsvolle, eine geradezu biblische Zahl, welche Verheißung, Auftrag und Erfüllung enthält, vierzig Jahre gefüllt mit Freude und Leid, mit Erfolg und Enttäuschung, mit Schuld und Vergebung, mit Versagen und Zuversicht... eingespannt in den weiten Bogen der göttlichen Vorsehung.

Ein schneller Gang durch das Haus führt uns in verschiedene Räumlichkeiten, Bibliothek, Klassenzimmer, Studiersaal, Schlafräume, Kapelle, Kirche, Orgel. Überall treten verwehte Spuren der Vergangenheit deutlicher zu Tage, verweben sich Fetzen der Erinnerung mit denen der ehemaligen Mitschüler, sodass ein buntes Muster der Verbundenheit entsteht, das einmal fester, einmal lockerer bis heute gehalten hat. Gemeinsam versucht jeder zu rekonstruieren, was in diesem Raum, auf jenem Stockwerk, in dieser Ecke des Hauses stattgefunden hat. Ereignisse ziehen vorbei und Gefühle, Haltungen und Einstellungen, vor allem aber Beziehungen, Aussagen, Menschen, die damit verwickelt waren.

Wir fahren hinauf nach Neustift zum Alten Pacher, wo die Stube für uns reserviert ist und ein köstliches Essen aufgetragen wird. Dabei reißt die Spurensuch nicht ab, nein, sie verlagert sich lediglich, einmal von diesem Ende des Tisches auf die andere Seite und wieder zurück. Einer der Mitschüler kommt erst jetzt dazu, bringt neue Facetten in die Gespräche, eigene Fragen und Geschichten. Die Zeit vergeht im Flug, Erzählungen und Bilder ziehen vorbei. Unten im Kloster Neustift wartet Herr Ernst Überbacher, der uns eine ganz persönliche Führung durch die wertvollen Sammlungen und die mächtige Anlage des Augustinerklosters geben wird. Einiges ist dem einen oder anderen bereits bekannt, anderes gänzlich neu. Für kurze Zeit tauchen wir ein in die Geschichte des Landes, der Kunst, des Augustinerordens. Danach sitzen wir noch ein Weilchen in der Klosterschenke zusammen.

Noch einer war am späten Nachmittag zu unserer Gruppe gestoßen. Terminkollision. Aber das Maturatreffen wollte er sich doch nicht ganz entgehen lassen. Wer weiß, wann diese Runde das nächste Mal wieder zusammen kommen würden. Nur wenige von den damals siebzehn konnten diesmal nicht selbst dabei sein, aber ganz abwesend waren sie doch nicht, denn jeder wollte wissen, wo sie sind, was sie tun, warum sie nicht kommen konnten, wie es ihnen wohl geht. Trotz der verschiedenen Lebenswege, die sich nur gelegentlich kreuzten, bleibt eine gewisse Verbundenheit spürbar, eine wohlwollende Grundstimmung, die jeder zunehmend mehr zu schätzen weiß, je älter wir werden.

von Konrad Willeit



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