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UPDATE: Mutter Kultur und ihre Kinder

Unter diesem Titel reichte Urban Wieser (7. Klasse Gymnasium) einen Text zum Aufsatzwettbewerb der Handelskammer unter dem Motto "Kultur und Wirtschaft in Südtirol" ein. Der Aufsatz überzeugte die Jury und wurde unter die zehn besten Arbeiten gewählt. Den dritten Platz erreichte der Ex-Vinzentiner Thomas Ladurner. Die Prämierung erfolgte am 30. Mai in Bozen. Hier die beiden ausgezeichneten Werke:

Tag für Tag hetztdie Wirtschaft in die Höhen, keuchend kommt sie oben an. Sie versorgt die alteMutter, alleine schafft diese es nicht mehr. Zu lange musste sie sich beugen,musste helfen und tragen, jetzt kränkelt sie. Mutter Kultur war nützlich,Ausgangspunkt von Entwicklungen, die ohne sie im Frühlingsschlamm steckengeblieben wären. Was unters Joch passte, durfte von ihr bleiben zwischen denBergen, für den Rest gab es Tickets dritter Klasse ins Pfefferland, gratis verstehtsich.


Verfälscht wurdedas Mütterchen, gar zum Bauarbeiter, Hotels nach ihrem Vorbild aus der Erde zustampfen, Hotels, in denen sich der Gast wohlfühlt wie zwischen zwei Heuballenund dennoch an die genügsam bäuerliche Vergangenheit unseres Landes erinnertwird. Und nun, einige Jahrzehnte später: Hat sie ihre Aufgabe erfüllt?Teilweise. Betrachtet unsereiner einen Hotelkomplex, so scheint ihm dieErinnerung verblasst: Die Ziegelsteine stapeln sich zu einem Balkönchen hier,einem Türmchen da und einem Erker in der Mitte, Merkmale einesMärchenschlosses. Einen Tiroler Bauernhof erahnt man höchstens noch am Dach,aber darauf „scheißen die Vögel“. Beim Eintritt häufen sich  Anzeichen heimatlicher Kulturvergangenheit.Getäfel darf bewundert werden und so mancher Hutträger auf hölzernen Lattengrinst dem Betrachter entgegen. Daneben überwuchern andere Bilder und Abbilderdie Wände, einige heiligen Inhalts. Oft wird der jedoch in den Hintergrundgedrängt, zugunsten des Scheins. Der Durchschnittsgast will nicht auch noch imUrlaub mit Religion belästigt werden. Zurückbleiben wird der Eindruck einerMischung aus weltentrücktem, grimmschem Gebilde und verkitschter Kultur.


Die Mischung fülltdie Taschen mit Euros, Pfund und Rubel, zuweilen mit Dollars. Sie pumpt Kapitalins Gebirge, mit 18.248.245 Übernachtungen im Sommer 2012 einen bedeutendenTeil der Wirtschaftsleistung. Und was auch immer in dieser Form den Wohlstandscheffelt, das muss stehen, muss erhalten bleiben und gedeihen. Dann ist völliggleichgültig, ob sich Angehörigen einer jüngeren Generation - von Zeit zu Zeitauch mir selbst - Pseudo-Tiroler-Konsumartikel als über Jahrhundertegewachsenes Kulturgut verkaufen.


Doch wie befreitman sich von solcherlei Frevel? Was, wenn der Tourist nach mehr Transparenz,mehr Echtheit  fragt? Einen Lösungswegbeschreiten wir schon oder ebnen zumindest das steinige Gelände: Wir beginnen,das Pure, Wertvolle wieder aus besagter fataler Mischung zu filtern. Diesäußert sich durch ein verbreitertes Angebot an „Urlaub am Bauernhof“, derWiederentdeckung des Roggenanbaus, einiger Nutztierarten und andererlandwirtschaftlicher Erzeugnisse. Daneben wurden einige Traditionen nieaufgegeben, wie die überregional bekannte Holzverarbeitung in Gröden oder das  Vereinsleben.


Es bestünde jedochein zweiter Weg: die Abspaltung der Kultur vom Tourismus. Es sind zu allerAnfang die Berge, die Gäste nach Südtirol locken, ihre Wälder das Erste, wasins Auge sticht. Sie könnten verstärkt ihrem Wesen entsprechend genutzt werden,gemäß ihrer Unzugänglichkeit, Abgeschiedenheit, Erhabenheit und Schönheit, ohnemenschliche Prägungen, die sie erfahren haben. Sie könnten Zuflucht bedeutenfür jene, die entfliehen wollen. Insofern hätten auch schlichte, moderne Bautenauf jeder Höhenebene,  im Tal oder aufden Gipfeln, ihre Existenzberechtigung. Sie rauben den steinernen Riesen - nachein wenig Wasser den Gebirgsbach runter - keine der ihnen gebührendenAufmerksamkeit mehr. Und Mutter Kultur, die könnte wieder sein, was sie war.Sie könnte ihre Ruhe haben und lernen, sich wieder selbst zu versorgen,vielleicht auch ohne Subventionen. Aber davon ein anderes Mal.


Urban Wieser, 7.Klasse, Humanistisches Gymnasium Vinzentinum, 18 Jahre



Ein freundliches „Griaß Gott“ von einem Mann mit blauer Schürze, ein respektvolles „buon giorno“ aus dem Mund eines Herren in einem maßgeschneiderten Designeranzug – willkommen oder „benvenuto“ in Südtirol, dem Herzen der Alpen, dem Herzen des europäischen Kontinents. Dort wo sich Geschäfte italienischer Modemarken und Gasthäuser mit südländischem Flair an traditionelle Südtiroler Wohnhäuser reihen, dort – ja dort ist Bozen. Bozen – die Hauptstadt dieser im Vergleich zu der restlichen Welt so einmaligen Region. Wie eine Schlange sucht sich die Talfer ihren Weg durch Bozen, welche großzügige Grünanlagen säumen, die einladen zum Innehalten, zum Genießen, zum Entspannen. Bozen pulsiert. Wie in einem Ameisenhaufen laufen Leute unterschiedlichster Nationalitäten, Kulturkreise, Religionen und Sprachen durch die engen Straßen und Gassen der malerischen Altstadt, welche sich mit ihren Sehenswürdigkeiten, den anliegenden Unternehmensgeländen und der Industriezone im Bozner Talkessel, inmitten einer wunderschönen Naturlandschaft mit Blick auf das hoch aufragende Schlerngebiet und den sagenumwobenen Rosengarten, platziert. Bozen – das Herz Südtirols, die stolze Mutter eines Landes – die Heimat zweier in Kultur und sprachlicher Hinsicht so unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Bozen bzw. Südtirol – die Heimat von Deutsch und Italienisch, die Besitzerin deutscher Tugenden wie Fleiß, Ausdauer, Pünktlichkeit, Genauigkeit und Zielstrebigkeit sowie südländischer Lebensfreude und der typisch italienischen Kreativität im Erschaffen von neuen Errungenschaften.

Bozen – die nördlichste Provinz Italiens kann man sich sehr gut als Brücke vorstellen. Als Verbindung zwischen zwei Kulturen, als Band  zwischen dem deutsch- und dem italienischsprachigen Raum. Bozen ist das Zentrum dieser Brücke, wo sich der Standortvorteil – welchen Südtirols zweifelsohne besitzt – am stärksten erfassbar macht.  Ist Südtirol bzw. Bozen das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Es ist anzuzweifeln, ob Südtirol ein zweites Amerika ist. Möglichkeiten sind reichlich vorhanden, aber das Potpourri der Südtiroler Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft hält einem jeden die unterschiedlichsten Wege offen. Das Beherrschen der Sprachen Deutsch und Italienisch erschließt primär den vielen Unternehmern in der Tourismus- und in der Industriebranche einen in zwei Richtungen ausweitbaren Markt, welchen man dann zur Gewinnmaximierung nutzen kann. Schon im Grundschulalter lernt der Nachwuchs eine zweite Sprache. Italienisch in der deutschen Grundschule, Deutsch in jener italienischen. Anfangs noch verflucht man die damit verbundenen Anstrengungen, man schwitzt Blut und Wasser beim Erlernen einer neuen Diktion. Warum sollte man also genau diesen Bereich weiter ausbauen, weiter festigen? Tja, die Vorteile liegen schnell griffbereit in der Hand, wenn man seinen Intellekt verwendet. Zwei Sprachen – damit kann man sich nicht nur mit einer breiteren Masse der Öffentlichkeit verständigen, man lernt auch zwei unterschiedliche Kulturen, zwei unterschiedliche Denkens- und Lebensweisen kennen. Zwei Sprachen repräsentieren somit auch enorme Anlagen zur möglichen Betriebsführung, zur erfolgreichen und gewinnbringenden Leitung  eines Unternehmens.
Aber die Sprache für sich ist nicht der einzige und alleinige Vorteil. Sprache bedeutet auch Kultur, verschiedene Kulturen bedeuten verschiedene Eigenschaften.  So treffen im gebirgigen Südtirol südländische Leidenschaft auf deutsche Korrekt- und Zielstrebigkeit, italienische Kreativität auf alemannische Genauigkeit, Ausdauer und Fleiß. Die Aufgabe der Unternehmer/innen ist hiermit unter anderem auch das Fördern dieser Eigenschaften, die Weiterentwicklung der Talente und der gegebenen Voraussetzungen, um auch in der wohl stürmischen und ungewissen Zukunft beide Beine auf dem Boden zu behalten und den eigenen Betrieb sicher durch das Meer des nationalen und internationalen Marktes zu navigieren. Das Vertrauen im Betrieb/Unternehmen auf kulturelle Traditionen, gepaart mit den Einflüssen der umliegenden Gebiete und Regionen, geschützt und ausgezeichnet durch diverse Logos und Qualitätszeichen wird somit zum Steuermann und Garant für Erfolg in jeder Hinsicht.

Individualität ist interessant, kann profitabel sein. In Südtirol haben wir in jeder Hinsicht jede Menge Individuen, welche im Gesamtpaket den für uns u.a. eminent wichtigen Standortvorteil ergeben. Die Abwechslung in den Bereichen Kultur und Sprachen geben ein gutes Fundament für die kommenden Jahre ab und sollten von den Verantwortlichen am Schopf gepackt und genutzt werden.


Thomas Ladurner, Landeshotelfachschule „Kaiserhof“ in Meran


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