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Nachruf auf Prof. Josef Knapp

Wenige Tage vor seinem 93. Geburtstag ist Prof. Josef Knapp, ehemaliger Musiklehrer und Chorleiter im Vinzentinum und Domkapellmeister in Brixen, am 4. Februar 2014 verstorben.

Josef Knapp wurde am 9. Februar 1921 als Ältester von acht Geschwistern beim Auslugerhof in St. Martin bei St. Lorenzen geboren. Nach der faschistischen italienischen Volksschule kam er als Zehnjähriger ins Vinzentinum, wo er beim Domorganisten Alfons Frontull das Klavier- und Orgelspielen lernte. In seinem Lebenserinnerungen erzählt er, dass er als Quartaner das erste Mal beim Hauptgottesdienst am Sonntag Orgel spielen sollte. Der bisherige Organist, ein Maturant, saß neben ihm auf der Orgel, um notfalls einspringen zu können. Und tatsächlich war dies beim Credo notwendig. Nach dem Gottesdienst hörte er, wie ein Professor einen anderen fragte, wer Orgel gespielt habe. „Ich glaube der Knapp“, war die Antwort, worauf der andere sagte: „O ja, das war schon ziemlich knapp.“

Nach der Matura im Optionsjahr 1939 trat er ins Priesterseminar ein, wo er Organist und Chorleiter des Seminarchores war. Am 29. Juni 1944 wurde er von Fürstbischof Johannes Geisler in Brixen zum Priester geweiht. Wegen des Krieges musste die Primiz sehr bescheiden ausfallen, nicht einmal die Musikkapelle durfte spielen, obwohl sein Vater Kapellmeister war.

Bereits einen Monat nach der Priesterweihe stand Josef Knapp als Kooperator in Bruneck ein, sein Mitkooperator war der spätere Weihbischof Heinrich Forer. Neben dem Religionsunterricht war er in Bruneck hauptsächlich als Chorleiter und Organist tätig.

Im Jahre 1950 kam er als Musiklehrer und Chorleiter ins Vinzentinum. Da bis dahin der Musikunterricht nur in den unteren Klassen vorgesehen war, ging Josef Knapp zum Fürstbischof und legte diesem die päpstlichen Erlässe vor, nach denen in den Seminarien der Musikunterricht in allen Klassen vorgeschrieben sei. So erreichte er, dass im Vinzentinum der Musikunterricht in allen Klassen bis zur Matura eingeführt wurde. Bis 1974 unterrichtete er im Vinzentinum insgesamt 1.212 Schüler in Musik, von diesen 422 auch in Religion und Deutsch. Dazu kommen noch viele Klavier-, Harmonium- und Orgelschüler. Der Vinzentiner Chor sang damals unter seiner Leitung an allen Sonn- und Festtagen das Choralproprium und eine vierstimmige Messe. Zusätzlich hat der Chor verschiedene Feiern im Haus gestaltet und immer wieder auch geistliche und weltliche Auftritte außerhalb des Hauses absolviert.

Im Jahre 1974 wurde Josef Knapp zum Domkapellmeister von Brixen ernannt. In seinen Augen sollte der Domchor eine Gemeinschaft von gläubigen und liturgisch engagierten Christen sein, die als Vorbild für die ganze Diözese das Lob Gottes singt und verkündet. Als Höhepunkte seiner Tätigkeit am Dom bezeichnete er die Weihe der neuen Domorgel 1980 und die Bischofsweihe von Wilhelm Egger 1986.

Neben seinen Aufgaben im Vinzentinum und im Dom war Josef Knapp von 1953 bis 1987 Lehrer und Direktor der Kirchenmusikschule, von 1954 bis 1989 unterrichtete er am Priesterseminar bzw. an der Phil.-Theol. Hochschule Brixen. Es war ihm ein großes Anliegen, im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils den zukünftigen Priestern die Wichtigkeit des Gesanges in der Liturgie und der Kirchenmusik zu vermitteln und dass aus der Kirchenmusikschule viele echte, fachlich geschulte und mit rechtem Glaubensgeist erfüllte Kirchenmusiker herauswachsen. Weiters war Josef Knapp jahrzehntelang Vorsitzender der Diözesankommission für Kirchenmusik und Diözesanpräses des Allgemeinen Cäcilienverbandes für die Länder der deutschen Sprache.

Von Bischof Joseph Gargitter wurde er in die Vorbereitungskommission für die Erstellung des Einheitsgesangbuches für alle deutschen Diözesen entsandt. Auf Vorschlag von Josef Knapp erhielt dieses 1975 erschienene Buch den Namen „Gotteslob“. Es freute ihn sehr, dass man auch bei der aktuellen Neuausgabe diesen Namen beibehalten hat.

Im Herbst 1990 musste er aus Gesundheitsgründen in den Ruhestand treten. Er kehrte in seine Heimat St. Lorenzen zurück, wo er bis zuletzt aktiv geblieben ist. Solange es ihm möglich war, hat er gerne immer wieder den Pfarrgottesdienst mit Predigt übernommen. Bis zuletzt komponierte er vor allem geistliche Werke für die Kirchenchöre in der Diözese.

Er freute sich über Besuche seiner Angehörigen und Freunde, vor allem aber auch seiner ehemaligen Schüler. Groß war zum Schluss die Vorfreude auf 70. Priesterjubiläum, das er Anfang Juli 2014 gefeiert hätte. Bischof Ivo Muser hatte bereits sein Kommen zugesagt. Dieses Fest war ihm nicht mehr vergönnt. Dafür wurde seine Beerdigung am Freitag, 7. Februar in seiner Heimatpfarre St. Lorenzen zu einem würdigen Fest. Der Gottesdienst wurde vom örtlichen Kirchenchor, Sängern des Domchores, ehemaligen Schülern der Kirchenmusikschule und des Vinzentinums und von Freunden mit Kompositionen des Verstorbenen feierlich gestaltet.

Josef Knapp war ein begeisterter Kirchenmusiker. Für ihn war die Kirchenmusik Dienst an der Liturgie und Lobpreis Gottes. Er sah sich selbst bescheiden als Kunsthandwerker, dem manches Kunstwerk gut gelungen ist, wie P. Urban Stillhard OSB in der Predigt beim Beerdigungsgottesdienst sagte. Er freute sich, wenn seine Werke aufgeführt wurden, auch weit über die Grenzen unseres Landes hinaus. Josef Knapp war aber vor allem auch ein überzeugter, vorbildlicher Priester, dem man angemerkt hat, dass er gerne Priester war, und dem die Verkündigung in Predigt und Katechese immer ein großes Anliegen war. Und er war ein leidenschaftlicher Lehrer, bis in die letzten Lebensjahre hat er noch Privatunterricht erteilt.

Josef Knapp hat sich, wie er selbst immer wieder sagte, sehr auf den Himmel gefreut. Möge er nun schauen dürfen, woran er sein Leben lang geglaubt, worauf er gehofft und was er in Wort und Ton verkündet hat.

TE DEUM LAUDAMUS
Gut ist es, unserem Gott zu singen; schön ist es, ihn zu loben.
(Ps 147,1 – abgedruckt auf der Todesanzeige)

Bei einem meiner Besuche hat Josef Knapp mir seine Lebenserinnerungen überreicht, die er anlässlich seines 90. Geburtstages aufgeschrieben hatte. „Aber mach damit keinen Unfug“, sagte er dazu. Ich glaube es ist kein Unfug, wenn diese Lebenserinnerungen hier nun einer größeren Leserschaft zugänglich gemacht werden.

Regens Fabian Tirler


Downloads:
Erinnerungen Josef Knapps


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