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Berichte aus dem Herzen Afrikas

Der 35jährige aus Uganda gebürtige Comboni-Missionar P. Moses Otii MCCJ ist im Mai 2013 zum Priester geweiht worden. Vorher studierte er fünf Jahre lang in Innsbruck Philosophie und Theologie. Im Oktober 2014 war er ungefähr einen Monat lang in Südtirol, unter anderem leitete er beim Interdiözesanen Jugendtag in Bozen (11.-12.10.) einen Workshop. Am Freitag, 17.10. war er in der 7. und 8. Klasse des Vinzentinums zu Gast.

Er berichtete von seinen Erfahrungen in der Zentralafrikanischen Republik, wo er in einer großen Pfarrei gemeinsam mit zwei weiteren Priestern als Missionar tätig ist.

Gegenwärtig ist der Pfarrhof ein Flüchtlingslager, 6.000 (!) Menschen suchen dort Schutz vor den Rebellen, die ursprünglich aus dem Sudan und dem Tschad kommend die Zentralafrikanische Republik in Chaos und schwere Unruhen gestürzt haben. Durch die gewaltsamen Auseinandersetzungen wird die Angst und Hilflosigkeit der Menschen immer größer, sie getrauen sich nicht mehr, in ihren Häusern zu bleiben und können auch nicht ihre Felder bebauen. Ganze Dörfer wurden zerstört, Menschen umgebracht, Frauen vergewaltigt, Kinder verschleppt und als Kindersoldaten missbraucht, Autos und alles, was irgendwie brauchbar ist, geraubt. Dabei wäre die Zentralafrikanische Republik ein reiches Land. Der Reichtum insbesondere an Bodenschätzen zieht jedoch den Neid an.

Aufgrund der Unruhen gibt es große Probleme mit der Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten. Im Flüchtlingslager im Pfarrhof wird versucht, zumindest den Kindern einmal am Tag ein warmes Essen anbieten zu können.

P. Moses hat als Priester Philosophie und Theologie studiert, ist aber jetzt – neben seinen priesterlichen Aufgaben – auch Arzt und Krankenschwester. Sein Büro ist eine notdürftig eingerichtete Apotheke. Sogar Hebamme war er schon: Das erste Kind, dessen Mutter er beim Entbinden unterstützt hatte, trägt seinen Namen.

Vor einigen Monaten wurde das Flüchtlingslager überfallen, es gab mehrere Tote und viele Verletzte. P. Moses versteckte sich in der Toilette. Ein Mitbruder verkroch sich im Büro unter dem Schreibtisch, denn als Priester hätte er nicht in einer Toilette sterben wollen. Beide überlebten. Auch in der Sakristei der Kirche wurde geschossen, die Menschen, die sich dort versteckt hatten, blieben unverletzt, der Messkelch wurde aber durchschossen: „Jesus hat uns geschützt“, sagten die Leute daraufhin.

Ein anderes Mal wurde P. Moses Zeuge, wie Rebellen ein Mädchen verschleppten und umbringen wollten, weil sie die Nummer eines Moslems auf ihrem Handy gespeichert hatte. P. Moses schritt dazwischen und wurde selbst schwer am Knie verletzt, ein einmonatiger Krankenhausaufenthalt war die Folge. Er hatte Glück, denn mehrere Priester sind schon umgebracht worden. Das Mädchen überlebte übrigens.

Während seines Südtirolaufenhaltes bekam P. Moses die Nachricht, dass wieder einige Priester verschleppt wurden, niemand wisse, wo sie sind.

Obwohl sie selbst immer wieder in (Lebens-)Gefahr sind, bleiben die Missionare – sie bleiben bei den Menschen, die sonst niemanden und keine Hoffnung hätten. In dieser Situation ist die Kirche im wahrsten Sinne des Wortes Zuflucht für die Menschen.

Er freue sich darauf, in die Zentralafrikanische Republik zurückzukehren, sagte P. Moses. Das klingt angesichts von all dem, was er erzählt hat, paradox. Aber man glaubt es ihm. Er strahlt eine tiefe Zufriedenheit und innere Freude aus. Dennoch ist er realistisch: Auf seinem Schreibtisch hat er ein Blatt vorbereitet mit den wichtigsten Angaben, damit jemand weiß, was zu tun ist – sollte er einmal nicht mehr zurückkehren. Man wisse ja nie, was morgen sein wird. Trotzdem hat er einen erstaunlich natürlichen und bodenständigen Humor.

Er hat es nicht ausdrücklich gesagt, aber es ist klar: Es ist ein tiefer Glaube, der ihn trägt und der für ihn und für viele Menschen im besten Sinne des Wortes zur Lebenshilfe wird.

Seine Ausführungen schloss P. Moses mit der Bitte um das Gebet für ihn und seine Arbeit in der Zentralafrikanischen Republik.


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