Beweglich im Denken,
Kompetent im sozialen Umgang,
Verwurzelt im Glauben

Vinzentinum Brixen - Bischöfliches Seminar - Home
 


Im Gedenken an eine "große" Vinzentinerin

Am 18. Januar 2015 verstarb im Krankenhaus Brixen nach einem langen und bewegten Leben die langjährige Schulsekretärin des Vinzentinums Johanna Weissteiner im Alter von 97 Jahren.

Sie wurde am 12. Dezember 1917 geboren und wuchs beim „Weisstoaner“ in Tulfer bei Wiesen auf. Ihre Jugend war geprägt von den beengenden Bedingungen zweier Diktaturen. In der zweiten Hälfte der Dreißigerjahre wirkte sie als Katakombenlehrerin in ihrer Heimatgemeinde. Als dies aufkam, wurde sie zusammen mit dem ebenfalls aus Wiesen stammenden Prof. Alois Staindl ein Jahr lang in einen abgelegenen Bergweiler in die Basilicata verbannt. Eine alte Frau jenes Dorfes erinnerte sich noch heute an „la Hanni col riso bianco“ (die Hanni mit dem Milchreis).

Von dort zurückgekehrt zog sie nach Deutschland, wo sie als Sekretärin bei den Messerschmitt-Werken in Regensburg arbeitete. Als das Fabrikgebäude dieses bayrischen Flugzeugwerkes in den letzten Kriegsmonaten bombardiert wurde, wurde auch Johanna Weissteiner unter einem Schutt- und Trümmerhaufen begraben. Wie durch ein Wunder überlebte sie die Verschüttung.

Nach dem Krieg arbeitete Johanna Weissteiner als Kindermädchen in Rom, wo sie auch ihren Giovanni kennenlernte und mit ihm der Tochter Evelyn das Leben schenkte. Als Feriengast kam sie Sommer für Sommer in ihre Heimat und verbrachte ihren Urlaub bei ihrer Schwester auf einem Berghof in Mauls.

Nach dem Tod von Giovanni kehrte sie dauerhaft nach Südtirol zurück. Sie arbeitete zunächst als Bürokraft beim Katholischen Verband der Werktätigen, ehe sie im Herbst 1970 ihren Dienst als Schulsekretärin im Vinzentinum antrat.

Diesen führte sie 17 Jahre lang mit großer Kompetenz und Sorgfalt und mit sichtbarer Begeisterung aus. Sie unterstützte ihre Direktoren, wo immer sie konnte, und war für Schüler und Professoren gleichermaßen ein Zufluchtsort in verschiedenen Anliegen und Nöten. Ihr kommunikatives Wesen, ihr ansteckender Charme und ihre warmherzige, mütterliche Sorge schenkten vielen heimwehgeplagten Buben Trost und Mut. Sie war immer guter Dinge und konnte mit ihrem aufheiternden Lächeln und einem Augenzwinkern auch knifflige Situationen gut entschärfen. Durch ihr ausgeprägtes Namensgedächtnis vergaß sie ihre Studenten auch nach dem Verlassen des Vinzentinums nicht, traf man sie, wusste sie immer so manche Begebenheit und Anekdote zu berichten.

Dem Vinzentinum blieb Johanna Weissteiner auch nach ihrer Pensionierung im Herbst 1987 sehr verbunden. Vor allem zu ihren Direktoren Lercher und Eder sowie zu Altregens Geier und zu den ehrwürdigen Schwestern unterhielt sie weiterhin enge Kontakte. Es war ihr deshalb auch eine große Freude, dass ihr Enkel Michael, an dem sie mit Leib und Seele hing, nicht nur die Mittelschule, sondern auch das Gymnasium am Vinzentinum besuchte.

Nach einem Beckenbruch vor drei Jahren gab sie ihre eigene Wohnung in Brixen auf und zog zu ihrer Tochter nach Milland. Trotz ihres hohen Alters blieb sie körperlich und vor allem geistig frisch und agil. Am 12. Dezember 2014 war ihr noch vergönnt, bei einer Wallfahrt nach Maria Weißenstein im Kreise ihrer Familie ihren 98. Geburtstag zu feiern.

Die letzten Wochen im Krankenhaus Brixen haben Johanna Weissteiner bereit gemacht, im Tod heim zu gehen zu Gott, dem sie ein Leben lang vertraut und der ihr in allen Höhen und Tiefen festen Stand gegeben hat. Ihrem Wunsch gemäß wurde sie am 22. Jänner 2015 in ihrer Heimatgemeinde Wiesen beerdigt.

Das Vinzentinum bleibt seiner treuen und großherzigen Schulsekretärin über ihren Tod hinaus verbunden und erinnert sich ihrer dankbar und mit viel Hochachtung. Alle, die sie kennengelernt haben und mit ihr ein Stück ihres Weges gehen durften, werden sie nicht vergessen und weiterhin oft und gerne an sie denken. R.I.P.

(Josef Knapp)




« Zurück zur Übersicht



Mittelschule - Gymnasium - Internat • Brennerstraße 37, I-39042 Brixen • Tel. +39 0472 821600 • info@vinzentinum.it • Facbook-Seite © Creation