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Ei fu! Don Carlo Milesi (+ 05.12.2015)

In den frühen Morgenstunden des 5. Dezember 2015 verstarb im Krankenhaus Brixen unser langjähriger Italienischprofessor Don Carlo Milesi. Er war vieles in seinem Leben: Lehrer, Seelsorger, Chorleiter, Fußballtrainer, Autor, Übersetzer, Wissenschaftler, Liedtexter: vor allem aber ein großherziger, liebenswürdiger und leutseliger Mensch und ein überzeugter und engagierter Brückenbauer zwischen der italienischen und der deutschen Sprachgruppe.

Carlo Milesi wurde am 20. Mai 1932 in S. Giovanni Bianco bei Bergamo als erstes von zwölf Kindern einer bergamaskischen Familie geboren. Sein Vater war Holzfäller und als solcher mit seiner Familie nach Frankreich ausgewandert. In seiner Familie wurde deshalb Französisch und nicht Italienisch gesprochen.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kehrte die Familie 1939 nach Bergamo zurück. Weil der Vater dort keine Arbeit fand, zog die Familie 1941 nach Bruneck, wo der Vater als Sägewerker arbeitete. Die Milesis wurden in ihrer neuen Heimat gut aufgenommen, lebten dort aber in sehr ärmlichen Verhältnissen. In der italienischen Grundschule teilte der immer noch französisch sprechende Carlo mit vielen deutschen Altersgenossen die anfängliche Abneigung gegen das Erlernen der italienischen Sprache.

Auf Anraten von Fürstbischof Johannes Geisler, der während seiner Sommerfrische in Bruneck auf den begabten Buben aufmerksam wurde, meldete die Familie Carlo nach Abschluss der Grundschule im Vinzentinum an. Er wurde dort aber wegen unzureichender Deutschkenntnisse nicht aufgenommen und besuchte deshalb das Gymnasium im Knabenseminar von Trient.

Kurz nach seiner Bischofsweihe nahm Joseph Gargitter 1952 Carlo Milesi, der ihn nachdrücklich darum gebeten hatte, als ersten italienischsprachigen Priesteramtskandidaten ins Brixner Priesterseminar auf, wo er nicht nur Theologie studierte, sondern vor allem Deutsch lernte.

1956 in Brixen zum Priester geweiht kam er 1957 für fünf Jahre als Kooperator nach Cortina d’Ampezzo. 1962 schickte Bischof Gargitter den sprachbegabten Milesi zum Studium der modernen Sprachen an die Katholische Universität Sacro Cuore nach Mailand, wo er 1966 mit „Deutscher Literatur“ als Hauptfach promovierte.

Als frischgebackener „dottore“ begann er im Herbst 1966 seine Lehrtätigkeit am Vinzentinum. Er unterrichtete dort nicht nur Italienisch, sondern als Freifach auch Französisch und engagierte sich zudem als leidenschaftlicher Fußballtrainer.

In den ersten vier Jahren seiner Lehrtätigkeit fuhr er zudem jedes Wochenende nach Cortina, wo er den dortigen Kirchenchor leitete. 1978 übernahm er die Leitung des italienischen Pfarrchores „Corale San Michele“ in Brixen, dessen Chorleiter er 16 Jahre lang blieb und der unter seiner Ägide immer auch deutschsprachige Lieder einstudierte.

Mehrere Jahre lang unterrichtete Milesi auch einige Stunden Italienisch am Realgymnasium, auch hielt er mehrere Jahrzehnte lang die Italienisch-Kurse an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Brixen.

Als Lehrer war Prof. Milesi sehr kreativ. Er dachte sich immer wieder neue Wege und Methoden aus, um seine Schüler mit der italienischen Sprache und Kultur vertraut zu machen, und brachte ihnen auch viele andere Haltungen und Lerntechniken bei. Er setzte dabei nie auf Druck und Zwang und hatte auch nie das Bedürfnis, sich und sein Fach an die erste Stelle zu setzen.

Er verstand es seine Schüler zu begeistern und sie mit Güte und Wohlwollen zu führen. Er bemühte sich, die Lerninhalte so aufzubereiten, dass sie mit möglichst wenig Aufwand angeeignet werden konnten. Er weckte vielseitige Interessen und erzog seine Schüler zu weltoffenen Bürgern. Es war ihm wichtig, zu ihnen ein gutes Verhältnis zu haben, und er erreichte dies auch - nicht durch Anbiederung, aber durch Wertschätzung und bei einigen sicher auch durch seine Leidenschaft für Sport und Musik.

Auch seine Kollegen schätzten ihn wegen seiner liebenswürdigen Art und seinem bescheidenen und geselligen Wesen sehr. Im Jänner 1994 setzte ein Herzinfarkt seiner Lehrtätigkeit im Vinzentinum nach 28 Jahren ein jähes Ende.

Neben seiner Tätigkeiten als Sprachlehrer und Chorleiter war „der Milesi“, wie er nicht nur von seinen Studenten genannt wurde, zeitlebens ein passionierter Schreiber und Übersetzer. Er verfasste viele Jahre lang regelmäßig Beiträge für italienische Zeitungen, publizierte allein und mit anderen heimatkundliche Studien und übersetze viele deutsche Abhandlungen zu kirchlichen und lokalen Themen sowie Liedtexte ins Italienische. Er tat dies nicht nur aus eigener Begeisterung, sondern mit dem erklärten Ziel, die italienische Bevölkerung in Südtirol mit gewachsenen Traditionen vertraut zu machen und so einen Beitrag zu leisten, dass sich auch diese Landsleute hier zugehörig und beheimatet fühlen.

Als Priester gab sich Milesi nie klerikal, auch nicht, als ihn Bischof Wilhelm 1988 zum Kanonikus ernannte und mit der italienischen Seelsorge am Dom zu Brixen betraute. Zwanzig Jahre lang übte er diesen Dienst aus, ehe er 2008 in den Ruhestand trat, freilich ohne sein seelsorgliches Mitwirken in Brixen und sein Mitsingen in der „Corale“ aufzugeben.

Auch der Seelsorger Milesi wurde von vielen Menschen beider Sprachgruppen sehr geschätzt. Vor allem zweisprachige Gottesdienste waren – wie er selber öfters sagte – „seine Spezialität“. Er predigte nie länger als sechs Minuten („Nichts ist leichter, als lang zu reden.“), verstand es aber in seinen kurzen und prägnanten Ansprachen, die er immer schriftlich vorbereitete, die Botschaft der biblischen Texte zeitgemäß zu erschließen und den Gottesdienstbesuchern mit treffenden und pointierten Worten konkrete und brauchbare Lebensimpulse zu vermitteln und diese oft auch mit sozialkritischen Appellen zu würzen.

In den letzten Jahren machten ihm gesundheitliche Probleme zunehmend zu schaffen. Von diesen wissen wir ihn nun befreit. Wir rufen ihm ein großes „Vergelt’s Gott“ nach und vertrauen darauf, dass sich sein Leben und Wirken und sein Einsatz zur Verständigung der Kulturen nun in Gottes neuer Welt vollenden werden. R.I.P.


Downloads:
Interviews Neue Südtiroler Tageszeitung 20. Mai 2012
Todesanzeige
Nachruf "Il Segno" 11/12/2015
Nachruf "Der Brixner" Dezember 2015


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