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Podiumsdiskussion zur Wirtschaftskrise im Vinzentinum

Am Freitag, 24. April um 11.00 Uhr fand im Festsaal des Vinzentinums die dritte Ausgabe der Vinzentiner Wirtschaftsgespräche statt. Unter der Leitung des Wirtschaftslehrers Martin Alber diskutierte eine kompetente Runde mit Landeshauptmann Luis Durnwalder, Unternehmer Michael Seeber, Raiffeisen-Generaldirektor Paul Gasser und Caritas-Mitarbeiter Alexander Notdurfter zum Thema „Wirtschaft in Südtirol: Wo stehen wir, wo wollen wir hin?“.

Direktor Christoph Stragenegg verwies in seinem Grußwort auf die Zielsetzung eines humanistischen Gymnasiums und auf den Stellenwert, den das Fach „Wirtschaft“ dort einnimmt. „Unsere Schüler/innen sollen nicht nur die europäische Kultur- und Geistesgeschichte kennenlernen, sondern auch für die Bedürfnisse und Mechanismen der modernen Gesellschaft sensibilisiert werden. Deshalb beinhaltet der Fächerkanon einen ausgewogenen Mix aus klassischen und modernen Unterrichtsfächern.“

Landeshauptmann Luis DURNWALDER verwies auf die Chancen des Wirtschaftsstandortes Südtirol an der Schnittstelle zwischen dem italienischen und dem deutschen Markt. Pluspunkte der heimischen Wirtschaft sind die vielen Familienbetriebe, die gute Ausbildung und die Einstellung der Südtiroler zur Arbeit: „Wir Südtiroler wissen, dass uns die Tauben nicht schon gebraten in den Mund fliegen.“ Negativ wirken sich hohe Grundstückpreise, ausufernde Bürokratie, hohe Abgaben und eine schwierige Steuergesetzgebung aus. „Die öffentliche Hand soll auch in Krisenzeiten nicht Unternehmer spielen, sondern die privaten Unternehmen begleiten und unterstützen. Oberstes Ziel müssen die Sicherung der Arbeitsplätze und das Bemühen um eine gute Aus- und Weiterbildung sein.“ Zur Abfederung der Wirtschaftskrise müsse zudem bei der Vergabe von Beiträgen die aktuelle Einkommenssituation stärker berücksichtigt werden. „Wir dürfen hier nicht mehr nur auf die Steuererklärungen der letzten zwei Jahre schauen“, so der Landeshauptmann.

Der Chef der Leitner AG, Michael SEEBER, verwies darauf, dass die aktuelle Wirtschaftskrise nicht die erste und voraussichtlich auch nicht die schwerwiegendste sei. Krisen seien nicht nur negativ zu bewerten, sie können auch eine Chance sein und die Wirtschaft voranbringen. Der Tiefpunkt sei zwar noch nicht erreicht, ein Aufschwung werde früher oder später sicher wieder kommen. Bedenklich sei, dass sich viele Staaten durch die Konjunkturpakete haushoch verschulden. „Dies wird nach dem Abklingen der Krise die Inflation mächtig anheizen.“ Ein großes Kapital der Südtiroler Wirtschaft ist auch in seinen Augen die gute Ausbildung der Südtiroler Arbeitskräfte. „Lediglich ihre Englischkenntnisse lassen noch zu wünschen übrig“, so der Unternehmer. Eine große Schikane für die Betriebe sei die Art der Steuerprüfung: „Hier muss sich unbedingt etwas ändern.“

Der Generaldirektor des Südtiroler Raiffeisenverbandes, Paul GASSER, selbst ein Schüler des Vinzentinums, ging auf die Vorzüge des Genossenschaftswesens und der vorwiegend lokal agierenden Südtiroler Bankinstitute ein. „Wir wurden in die Finanzkrise weit weniger hineingezogen, als die international tätigen Bankriesen. Deshalb ist auch das Vertrauen der Kunden in uns durch die Krise gewachsen.“ Die Krise zeigt, dass Wirtschaft und Finanzen kein Selbstzweck sind, sondern der Gesellschaft und den Menschen dienen müssen. „Dazu brauchen ihre Akteure klare Regeln und ethische Grundsätze.“ Ein Problem für die Banken sei die dünne Eigenkapitaldecke vieler Südtiroler Unternehmen, die die Kreditvergabe gerade in Krisenzeiten erschwere. „Es ist deshalb sehr zu begrüßen, dass die Landesregierung die Garantiegenossenschaft zu stärken gedenkt.“

Der Bereichsleiter der Caritas, Alexander NOTDURFTER, verwies darauf, dass ausländische Mitarbeiter vor allem im Pflegebereich unersetzbar sind. „Die Frage ist: Wie gehen wir mit ihnen um, dass sie auch gut mit uns umgehen?“. Südtirol sollte in Zukunft auch im Sozialbereich seine Scharnierstelle besser ausnützen und sich noch mehr darum bemühen, germanische und romanische Sozialvorstellungen organisch zu verbinden. In sozialer Hinsicht stehe Südtirol im Großen und Ganzen gut da. Zu bemängeln seien aber unorganische Regelungen in der Sozialgesetzgebung und die mangelnde Bereitschaft der Südtiroler, auch im sozialen Bereich über den eigenen Tellerrand zu schauen. Die aktuelle Wirtschaftskrise sei vor allem für die Menschen in der Grauzone eine Gefahr, endgültig unter die Armutsgrenze abzusacken. Auch kleine Freiberufler seien stark gefährdet.



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