Der Tod im Bild

Umfangreiche Vinzentiner Sterbebildersammlung katalogisiert

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Der ehemalige Regens Fabian Tirler hat die Zeit des Lockdowns genützt, um einen weiteren Vinzentiner Schatz zu heben: hunderte Sterbebilder, die im Vinzentinum lagern wurden in den vergangenen Wochen sortiert und katalogisiert. Unter den über 2.000 Zeitdokumenten finden sich auch ein paar besondere Exemplare. So umfasst die Sammlung etwa die Bilder mehrerer Päpste und Bischöfe wie auch kaiserlicher Hohheiten. Natürlich sind auch die Sterbebilder des Südtiroler Heiligen Ujöp Freinadametz und des Vinzentiner Seligen Otto Neururer Teil der Sammlung. 


Die vielen Todesfälle auf dem Höhepunkt der Corona-Krise in unserem Land haben uns wohl auch mit unserer eigenen Sterblichkeit konfrontiert: Unser Leben auf dieser Welt ist nicht unbegrenzt. Für gläubige Menschen führt der Tod aber nicht in ein Nichts, sondern in das ewige Leben bei Gott.

Auch Sterbebilder sind ein Memento mori. Sie haben zunächst natürlich die Aufgabe die nächsten Angehörigen und Freunde an einen lieben Menschen zu erinnern. Sterbebilder sollen dann aber auch noch nach Jahrzehnten und Jahrhunderten das Gedächtnis an einen Verstorbenen erhalten und sind damit wertvolle historische Dokumente der jeweiligen Zeit. Den Betrachter erinnert jedes Sterbebild auch daran, dass er den eigenen Tod noch vor sich hat.

Der Corona-Lockdown hat mir die Zeit gegeben, die Sterbebilder, die bisher ungeordnet an verschiedenen Orten im Haus lagen, zusammenzutragen, zu ordnen und zu archivieren. Der Verein „Die Vinzentiner“ hat dankenswerterweise die dafür notwendigen säurefreien Hüllen und Archivordner finanziert.

Die Sterbebildersammlung des Vinzentinums zählt aktuell 2.412 verschiedene Bilder. Dazu kommen 81 Verstorbene, deren zusammen mit anderen auf einem gemeinsamen Sterbebild gedacht wird. Von allen Verstorbenen auf den Sterbebildern wurden 119 vor dem Jahr 1800 geboren, 22 sogar vor dem Jahr 1775. 54 Personen sind vor dem Jahr 1850 verstorben, 15 sogar vor dem Jahr 1840. Das älteste Bildchen der Sammlung ist aus dem Jahr 1819.

Neben den Sterbebildern wurden auch 136 Primizbilder bzw. Gedenkbilder an Priester- oder Ordensjubiläen, Bischofsweihen usw. und 60 gedruckte Todesanzeigen geordnet und archiviert. Hunderte von Heiligen- und Andachtsbildern dagegen warten noch darauf, geordnet zu werden.

Fabian Tirler

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Eine Sammlung lebt, wenn sie ständig erweitert wird. Daher sind wir dankbar, wenn uns Sterbebilder besonders von Alt-Vinzentinern oder anderen Personen, die mit dem Vinzentinum in Verbindung standen, zugeschickt werden. Auch alte Sterbebilder, die sonst möglichweise weggeworfen würden, werden gerne angenommen und in die Sammlung des Vinzentinums eingegliedert.

Auf Anfrage steht die Sammlung für Recherchezwecke zur Verfügung. 

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